Die deutsche Sprache und ihre Anglizismen

Oft heißt es deutsche Sprache, schwere Sprache. Noch schwieriger wird sie, wenn sie mit englischen Begriffen vermischt wird. Tatsächlich wird die deutsche Sprache selbst aber nicht mit Anglizismen überflutet, das zumindest behauptet der Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache Rudolf Hoberg.

Anglizismen, also englische Wörter, die statt eines deutschen verwendet werden, sind nicht das Problem, so Hoberg weiter, sondern vielmehr die Tatsache, dass die deutsche Sprache insgesamt immer mehr der englischen weiche. So wird aus einer Gruppe schnell eine „Crowd“, aus der Arbeit ein „Job“, aus einer Modemarke ein „Label und die Jugend fühlt sich von etwas „abgetörnt“. Besonders auffällig ist die Verwendung von Anglizismen in der Werbung, im Marketing und bei Jugendlichen. Das beste Beispiel sind „Flyer“, also Handzettel, die als Werbemittel eingesetzt werden, um Unternehmen bekannt zu machen. Auch herausragende Leistungsaspekte sind keine mehr, sondern werden werbewirksam „Highlights“ genannt. Ähnliches lässt sich im Marketing beobachten: So heißt in einem Fall etwa die Idee für einen neuen Namen des zu bewerbenden Produktes „Hip-Branding“, ein Vertriebsspezialist ist plötzlich der „Key-Account-Manager“ und soziale Kompetenzen sind dann „Soft-Skills“. Auch in der Jugendsprache lässt sich der englische Einfluss stark beobachten, denn Jugendliche hängen heutzutage nicht mehr ab, sie „chillen“ nunmehr, Mädchen mit geflochtenen Haaren tragen „Beatwolle“ auf dem Kopf und etwas, das bewundernswert ist, wird plötzlich zum „Burner“. Hier vermischt sich nicht nur die deutsche Jugendsprache mit Englischen , sondern diese Anglizismen werden sogar zu Neologismen.

Doch trotz dieser relativ häufig vorkommenden Anglizismen bleibt die deutsche Sprache erhalten, denn nachweislich gab es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts englische Einflüsse auf die deutsche Sprache. Insbesondere aus den Bereichen Mode oder Gastronomie (z.B. „Sweater“ oder „Sandwich“). Zwar bemängelt Hoberg die Verbreitung der englischen Sprache, wie etwa an Universitäten oder Banken, gleichzeitig aber räumt er ein, dass der deutsche Wortschatz insgesamt so groß ist wie nie zuvor. Also heißt es erst einmal durchatmen und eine Runde chillen.

Quelle: www.rp-online.de/panorama/wissen