SATZGEWINN » Wer entscheidet, was richtiges Deutsch ist? Duden, Rechtschreibrat oder GfdS?

Wer entscheidet, was richtiges Deutsch ist? Duden, Rechtschreibrat oder GfdS?

Steht es im Duden, muss es richtig sein – oder? Ganz so einfach ist es nicht. Wenn es um die deutsche Sprache geht, begegnen uns immer wieder drei Namen:
Duden, Rat für deutsche Rechtschreibung und Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Doch ihre Aufgaben unterscheiden sich erheblich.

Vor allem eine weitverbreitete Annahme stimmt nicht: Der Duden legt die deutschen Rechtschreibregeln nicht fest.

Duden, Rechtschreibrat und GfdS im Überblick

RechtschreibratDudenGfdS
Was ist das?zwischenstaatliches GremiumWörterbuch und Redaktiongemeinnütziger Verein
Schwerpunktdeutsche RechtschreibungRechtschreibung, Wortschatz und Sprachwissendeutsche Gegenwartssprache und Sprachberatung
Bestimmt die amtliche Rechtschreibung?erarbeitet und entwickelt das Amtliche Regelwerkneinnein
Eigene Empfehlungen?amtliche Regeln und zulässige Variantenja, z. B. Dudenempfehlungenja, im Rahmen der Sprachberatung
Bekannt fürAmtliches RegelwerkRechtschreibdudenWort des Jahres

Wer bestimmt die deutsche Rechtschreibung?

Die maßgebende Institution für die Regeln der deutschen Rechtschreibung ist der Rat für deutsche Rechtschreibung. Er wurde 2004 eingerichtet und ist ein zwischenstaatliches Gremium.

Der Rat hat 41 Mitglieder aus sieben Ländern und Regionen. Vertreten sind Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, die Autonome Provinz Bozen-Südtirol und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Luxemburg ist mit einem Mitglied ohne Stimmrecht vertreten.

Der Rat beobachtet die Entwicklung der deutschen Schriftsprache und erarbeitet und entwickelt das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. Darin wird beispielsweise geregelt, wann Wörter groß- oder kleingeschrieben werden, wann sie getrennt oder zusammengeschrieben werden und wie Bindestriche und Satzzeichen verwendet werden.

Der Rat entscheidet darüber jedoch nicht allein. Das von ihm erarbeitete Regelwerk wird von den zuständigen staatlichen Stellen der beteiligten Länder und Regionen beschlossen. Für Schulen und öffentliche Verwaltungen bildet es die verbindliche Grundlage der deutschen Rechtschreibung.

Die aktuelle Fassung ist das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung 2024, das zum 1. Juli 2024 in Kraft trat.

Welche Rolle spielt der Duden?

Der Duden hat eine besondere Stellung, weil sein Name für viele Menschen geradezu ein Synonym für korrekte Rechtschreibung ist.

Historisch ist das nachvollziehbar. Der erste vollständige Rechtschreibduden erschien 1880 unter dem Titel Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Sein Herausgeber war der Gymnasialdirektor Konrad Duden.

Heute legt der Duden die amtlichen Rechtschreibregeln jedoch nicht selbst fest. Die Dudenredaktion orientiert sich am Amtlichen Regelwerk und bereitet Rechtschreibung, Wortschatz und Sprachwissen für die praktische Nutzung auf.

Das bedeutet auch: Ein Wort muss nicht erst „in den Duden aufgenommen“ werden, damit es ein deutsches Wort ist.

Sprache entsteht und verändert sich durch ihren Gebrauch. Die Dudenredaktion beobachtet diesen Sprachgebrauch unter anderem mithilfe großer digitaler Textsammlungen, sogenannter Korpora. Neue Wörter können auf dieser Grundlage Eingang in das Wörterbuch finden. Die Aufnahme in den Duden ist jedoch keine offizielle Zulassung eines Wortes.

Was bedeutet „Dudenempfehlung“?

Besonders interessant wird es, wenn mehrere Schreibweisen zulässig sind.

Das Amtliche Regelwerk kann für ein Wort oder eine Verbindung verschiedene Schreibweisen erlauben. Der Duden führt solche Varianten auf und kann eine davon besonders empfehlen. Diese wird als Dudenempfehlung gekennzeichnet.

Eine solche Empfehlung ist aber nicht mit einer amtlichen Rechtschreibregel gleichzusetzen.

Vereinfacht gesagt:

Amtliches Regelwerk: Diese Schreibweisen sind zulässig.

Duden: Von den zulässigen Varianten empfehlen wir diese Schreibweise.

Wer sich für eine andere ebenfalls amtlich zulässige Variante entscheidet, schreibt deshalb nicht falsch.

Was macht die Gesellschaft für deutsche Sprache?

Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. (GfdS) hat wiederum eine andere Aufgabe. Sie wurde 1947 gegründet und ist ein politisch unabhängiger, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Wiesbaden.

Die GfdS beschäftigt sich mit der deutschen Gegenwartssprache. Sie beobachtet sprachliche Entwicklungen, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Sprachgebrauch und bietet Sprachberatung an.

Besonders bekannt ist die GfdS für die Wahl zum „Wort des Jahres“. Die erste Auswahl gab es für das Jahr 1971, seit 1977 findet die Wahl regelmäßig statt.

Die GfdS entscheidet jedoch ebenso wenig wie der Duden darüber, welche Rechtschreibregeln amtlich gelten.

Gibt es überhaupt eine Institution, die „richtiges Deutsch“ festlegt?

Nur teilweise. Denn Rechtschreibung, Grammatik, Wortschatz und Sprachgebrauch sind nicht dasselbe.

Für die amtliche Rechtschreibung gibt es mit dem Rat für deutsche Rechtschreibung und dem Amtlichen Regelwerk eine institutionell geregelte Grundlage.

Beim Wortschatz sieht das anders aus. Es gibt keine Behörde, die entscheidet, welche Wörter zur deutschen Sprache gehören dürfen. Neue Wörter entstehen, alte verschwinden und Bedeutungen verändern sich.

Auch Grammatik und allgemeiner Sprachgebrauch lassen sich nicht vollständig durch eine einzelne Institution festlegen. Die Sprachwissenschaft beobachtet und beschreibt, wie Sprache funktioniert und wie sie von ihren Sprecherinnen und Sprechern verwendet wird.

Deshalb gibt es auf die Frage „Wer entscheidet, was richtiges Deutsch ist?“ keine einzige Antwort.

Duden, Rechtschreibrat oder GfdS – wer ist wofür zuständig?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung erarbeitet die Regeln der amtlichen deutschen Rechtschreibung.
Der Duden dokumentiert und erklärt Rechtschreibung, Wortschatz und Sprachgebrauch und gibt teilweise eigene Empfehlungen.Die Gesellschaft für deutsche Sprache beobachtet die deutsche Gegenwartssprache, beschäftigt sich wissenschaftlich mit ihrem Gebrauch und bietet Sprachberatung an.

Wenn also wieder einmal jemand sagt: „Das steht aber so im Duden!“, lohnt sich eine zweite Frage: Handelt es sich tatsächlich um eine amtliche Rechtschreibregel – oder um eine Dudenempfehlung, eine Wörterbuchangabe oder die Beschreibung des aktuellen Sprachgebrauchs?

Übersetzungs­büro
SATZGEWINN
★★★★★
★★★★★
Auf Google mit 4,9 von 5 Sternen basierend auf 29 Bewertungen bewertet.
Kleine Spitzengasse 2–4
50676 Köln
+49 (0)221 998 790 26 service(at)satzgewinn.com