Sagen wir, was wir denken, oder denken wir, was wir sagen?

 

Heute mal nur ein kurzer Lesetipp für alle Linguistik-affinen Leser unseres Blogs: Der tolle Artikel „Wie die Sprache das Denken formt“ beschäftigt sich mit der Frage, wie sich kulturelle Unterschiede in der Sprache und im Denken niederschlagen. Nicht nur für Übersetzer interessant. Ein kurzer Auszug:

„Die Sprache beeinflusst auch, wie Menschen Ereignisse beschreiben – und wie gut sie sich daran erinnern, wer was getan hat. Vorgänge darzustellen ist stets kompliziert, selbst wenn sie nur Sekundenbruchteile dauern, denn wir müssen sie rekonstruieren und deuten. Nehmen wir als Beispiel den Jagdunfall, bei dem der frühere US-Vizepräsident Dick Cheney seinen Freund Harry Whittington verletzte. Man könnte sagen „Cheney schoss auf Whittington“, wobei Cheney die unmittelbare Ursache ist, oder „Whittington wurde von Cheney angeschossen“, wodurch Cheney etwas in den Hintergrund tritt, oder „Whittington bekam eine Schrotladung ab“, wobei Cheney ganz aus dem Spiel bleibt. Der Vizepräsident selbst sagte: „Letztlich bin ich derjenige, der den Abzug betätigte, welcher die Ladung abfeuerte, die Harry traf.“ Damit stellte er eine lange Ereigniskette zwischen sich und das Resultat.“